Wespen..... wozu sind die eigentlich gut?
Ich bin Wespenberaterin!
Und was mach ich jetzt so als Wespenberaterin? Wespen in schwierigen Lebenslagen beraten. Also.. eigentlich vermittle ich zwischen Mensch und Wespe. Wobei ich sagen muss, dass Wespen eher beratungsresistent zu sein scheinen. Hilft alles nichts mit ihnen reden zu wollen.
Somit beschränke ich meine verbale Kommunikation auf die Spezies, mit der es für mich keine Verständigungsprobleme gibt.
Meine Kolleginnen und Kollegen handhaben das wohl ähnlich. Zumindest gehe ich davon aus.
Aber was kommunizieren wir eigentlich?
So ein Wespennest zu sehen -gerade im direkten heimischen Umfeld- kann schon für die ein oder andere Schreckminute sorgen.
Da steht man dann vor diesem Nest (wie ja bereits festgestellt wurde, ist reden zwecklos) und weiß oft nicht, wie man nun damit umgehen soll.
Zugegebenermaßen haben Wespen auch nicht den besten Ruf.
Den Kontakt zu mir oder meinen Kolleginnen und Kollegen zu suchen, kann da Abhilfe schaffen! Wir kennen uns aus….
Foto: Vespa Crabro (europäische Hornisse)
Mit dem Anfang beginnt es meist... 😉
Es ist Mai und die Saison der Wespen hat eindeutig ihren Anfang gefunden.
Die begatteten Jungköniginnen sind nun endgültig alle aus der Winterruhe erwacht und beginnen emsig, ihre Nester auszustatten. Wer nun noch keinen geeigneten Nistplatz gefunden hat, streitet sich auch schon mal um einen attraktiven, bereits bestehenden Standort.
Wer hätte es geahnt? Wespen haben eine kämpferische Natur. Es wird gestritten. Nicht nur um ein bereits bestehendes Nest, nein, auch um das eigene Leben. Denn nicht selten gibt es tote Königinnen. Und eine feindliche Nestübernahme.
Die erste Phase des Nestaufbaus bleibt kritisch. Nicht nur Konkurrenz aus den eigenen Reihen bedrohen das Gründungsnest, auch andere Gefahren, zum Beispiel durch Fressfeinde, bedrohen ein Wespennest in der ersten Phase der Entwicklung.
Während nun die Arbeiterinnen sich um Haushalt und die Larvenschwestern kümmern (jap, die Herren haben in der Wespenwelt wenig bis gar nichts zu sagen, schlüpfen allerdings auch erst im Spätsommer bis zum frühen Herbst aus unbefruchteten Eiern. Sie sind einzig für die Begattung der Jungköniginnen zuständig, die fast zeitgleich schlüpfen), kann die Königin sich ihrer Aufgabe widmen. Nämlich… sie verbringt den ganzen Tag damit, Eier zu legen, in die bereitgestellten Brutwaben.
Ein spannender Einsatz...
Heute hatte ich einen für mich neuen Einsatz. Ein Embryonalnest einer asiatischen Hornisse, forderte meinen Einsatz. Wenn ich zu einem Einsatz komme, schaue ich mir als erstes das Nest samt Standort an. Daraus lassen sich Rückschlüsse über die Art ziehen.
Als ich das Nest sah, blieben wenig Optionen, um welche Art es sich handeln könnte. Nach Jahreszeit und Standort blieb da zwar die geringe Wahrscheinlichkeit, dass es sich um unsere einheimische Vespa Crabro (europäische Hornisse) handeln könnte, aber für Anfang Mai wäre sie schon sehr früh dran. Was keinesfalls ein sicheres Ausschlusskriterium darstellen würde!
Meine Vermutung bestätigte sich recht schnell, als die Königin ihr Nest verließ. Mit Sichtung des Tieres war eine eindeutige Bestimmung sofort möglich. Hier handelte es sich um eine Vespa Velutina (asiatische Hornisse). Jene Hornissen, deren Bestand sich nach und nach in Deutschland immer weiter ausbreitet.
Eine Invasive Art auf dem Vormarsch.
Warum ich trotzdem so ausführlich über die eigentlich faszinierenden Tiere berichte? Weil es immer wieder zu Verwechselungen mit unserer heimischen Hornisse kommt. Diese sind für unsere Gefilde, das ökologische Gleichgewicht wichtig! Und stehen zudem unter besonderem Schutz (Artenschutz), wobei man hier darauf hinweisen muss, dass sie nicht vom Aussterben bedroht ist.
Das Foto zeigt die Königin, die ich heute samt Nest einfing (Vespa Velutina = asiatische Hornisse).

Ein Standort, der denkbar schlecht gewählt wurde. Unter der Terrassenüberdachung einer Senioreneinrichtung, hätte dort auch unsere heimische Hornisse kein Bleiberecht erhalten. Umsiedlungen sind oft eine gute Möglichkeit für alle Beteiligten, eine zufriedenstellende Lösung zu schaffen. Gerade jetzt, da die Nester noch klein sind, ist dies unkompliziert und schnell umgesetzt. Eventuell aber mit ein bisschen Wartezeit verbunden. Ist die Königin gerade ausgeflogen, könnte man als Laie voller Freude denken, dass das Nest einfach nur abgenommen werden müsste (was ich hier als Beraterin, die mit den Tieren arbeitet, unbedingt NICHT für Selbermacher empfehle! Immerhin gibt es uns dafür!). Beraterlisten gibt es in einigen Landkreisen bei der unteren Naturschutzbehörde oder dem NABU. Denn… ist das Nest bei Rückkehr der Königin nicht mehr da, ist sie keinesfalls demotiviert und zieht einfach ab. Sie hat den Standort gewählt und so könnte man sie als stur bezeichnen, denn sie würde davon in den seltensten Fällen abweichen. Was sie tut ist, einfach neu zu beginnen.
Diese asiatische Hornisse wurde von mir selbstverständlich gemeldet! Was wichtig ist, um die Ausbreitung nachvollziehen zu können und die Verbreitung einzudämmen.
Um eine Verwechslung der asiatischen Hornisse mit der heimischen Hornisse zu vermeiden (die eine steht unter Artenschutz und die andere wird als invasive Art bekämpft), sollte man nie leichtfertig ein Tier töten. Gerade jetzt, da es sich nur um Königinnen handelt, kann man auf diese Weise, aus Unkenntnis, ein entstehendes Volk einer streng geschützten Art vernichten. Wobei man generell davon absehen sollte dies mit Lebewesen zu tun! Aber es geht ja gerade hauptsächlich um Wespen.
Auch hier können Wespenberater helfen und die Art sicher bestimmen. Und wenn es sich wirklich um die asiatische Hornisse handelt, die geeigneten Maßnahmen ergreifen.